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Kochen wie bei Käthe

Wilfried Gringmuth über die Kochkultur zu Luthers Zeiten

Foto: Dieter Schütz / PIXELIO

Es erscheint durchaus reizvoll, sich Gedanken über so etwas Alltägliches wie das Essen bei einem Menschen zu machen, dessen Wirkungen Europa so tiefgreifend verändert haben. Nun hat Martin Luther zwar viel geschrieben und veröffentlicht, ein Kochbuch ist allerdings nicht dabei.
Aus heutiger Sicht wird der Haushalt Martin Luthers dem entsprechen, was wir „Mittelstand“ nennen. Das heißt: Es standen genügend Nahrungsmittel zur Verfügung, ohne jedoch über die Privilegien des Adels oder Hochklerus zu verfügen. Bei Familie Luther kam also das auf den Tisch, was in etwas besser gestellten Haushalten des Spätmittelalters üblich war. Wenn jedoch wir in unseren Küchen das nachempfinden möchten, bedeutet es, Abschied zu nehmen von vielen Selbstverständlichkeiten unseres Alltags! Zum einen: Man musste essen, was halt gerade da war, und oft genug war auch wenig bis sehr wenig da. Die wenigen Möglichkeiten, etwas aufzubewahren hießen: trocknen, räuchern, milchsauer vergären.
Von Kräutern abgesehen konnten Gewürze sich nur die wirklich Reichen leisten – selbst Salz war ja bereits „weißes Gold“. All unsere netten Dinge wie Tomaten, Paprika, Kartoffeln, Kürbis (incl. Zucchini) kommen aus der "Neuen Welt" – also Fehlanzeige im Mittelalter (und zu Luthers Lebzeiten vermutlich noch immer). Auch Bohnen und Mais – aus Südamerika! Das am meisten verbreitete Getreide war im Norden mit Sicherheit der Roggen, weil er geringere Ansprüche an Boden und Klima stellt. Dieser Vorteil wurde allerdings mit einem hohen Preis erkauft: Roggen ist empfindlich für einen bestimmten Pilz, der dann das hochgiftige Mutterkorn bildet, und in Jahren mit schlechter Ernte scheint das wie Epedemien um sich gegriffen zu haben. Was Fleisch- und Fischverzehr angeht, dürfte vieles bekannt, aber vermutlich kaum verfügbar gewesen sein, weil natürlich die "High Society" die Hand darauf hielt. Also gab es eher kleine Tiere, die weniger fressen und sich leichter halten lassen. Andererseits hatten die Dörfler auch meist ihren Gemeinschaftswald, in dem Schweine gehütet werden konnten.

 

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